Zwischen Hoffnung und Zweifel

[…]Kaum hatte Lorenz erfahren, dass sein Enkel endlich auf die Welt gekommen war und dass es Mutter und Kind wohlauf sind, ging er auf die Intensivstation, um die Nachricht zu überbringen. Karin und Mila wachten weiterhin an Florians Bett und warteten darauf, dass er aufwachte. Georg und seine Mutter saßen auf einer Bank im Park des Krankenhauses und blickten hoffnungsvoll und ängstlich in diesen erwachenden neuen Tag hinaus.
„Es dauert alles ohne Ende. Leas Geburt dauerte insgesamt weniger als 6 Stunden! Kaum tauchte ihr Kopf auf, sprang sie in die Welt hinaus wie ein Samen aus einer reifen Frucht.”
„Eine Geburt bei einer 20-jährigen Frau und eine Geburt bei einer 40-jährigen Frau sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Ich habe länger gebraucht, um Peter zur Welt zu bringen, als dich und Florian zusammen! Außerdem ist es eine Frühgeburt.”
Georgs Handy, das neben ihm auf der Bank lag, leuchtete auf und verkündete mit einem kurzen Piepton den Eingang einer neuen Nachricht. Georg nahm sein Telefon in die Hand. „Vater!”, erwiderte er kurz auf den fragenden Blick seiner Mutter. Er warf einen Blick auf die Nachricht und sein Gesicht wurde sofort von einem breiten Lächeln erhellt.
„Ist Florian aufgewacht?”, rief Sofia, die als Mutter in der ersten Reihe auf diese Nachricht wartete. Georg schüttelte den Kopf und sagte, „Mein Sohn ist geboren!”
In den tränennassen Augen von Mutter und Sohn lag Freude, als sie sich beide umarmten. […]

Lisa und Liam, Neustart

[…]Marie musste sich auf Viehscheid ziemlich antrinken, um in der Trunkenheitsfantasie den unbeliebten Georg zu küssen und den Flaschengeist zu befreien. Liam, im Gegenteil, brauchte den nüchternen Kopf und weit geöffnete Augen, um Lisa ohne Widerwillen wieder ansehen und diesmal den ersten Schritt in ihre Richtung machen zu können, ohne ihre Einladung. In dieser Nacht erinnerte Lisa in ihrer ganzen Erscheinung an verbrannte Erde. Er geänderte seine Meinung, wandte sich von der Tür ab und ging mit entschlossenem Schritt auf sie zu.[…]

Dämmerung und Morgengrauen

„Und du hast deine Belohnung genommen!”, rief Lisa an, nachdem ihr Vater gegangen war.
Lorenz blieb stehen, drehte sich um und wandte sich dann ernsthaft seiner Tochter zu.
„Wenn diese Belohnung dazu dient, einen Freund zurückzubekommen, die Vergangenheit aufzuarbeiten, dann ja. Vielleicht verstehst du mich, wenn du eines Tages diene Vergangenheit schließt.“ Lorenz dachte, alles sei bereits gesagt worden und er wollte wirklich gehen, aber Lisa hielt ihn wieder auf. Ihre Gefühle vibrierten bereits so hoch, dass sie in den letzten Worten ihres Vaters nicht einmal Hoffnung für sich selbst sah.
„Du irrst dich sehr, wenn du glaubst, die Vergangenheit hinter dir gelassen zu haben. Sie kommt gerade zu dir zurück, Papa. Deine Vergangenheit ist hier in diesem Krankenhausflur. Das ist Karin!“

Schicksal in den Bergen

„Nur weil Magdalene Ritter sich als Opfer vorstellt, heißt das nicht, dass sie es ist. Sie müssen sich bewusst sein, was diese Frau mit Ihrer Tochter erreichen wollten. Dass es eine lange, absichtliche Aktion war. Und nicht frei! Ihre Tochter war nicht die erste, die von Magdalena Ritter zur Prostitution angeworben wurde! Diese Frau hat Ihrer Tochter großen Schaden zugefügt… und Ihr Mann hatte allen Grund, die Beherrschung zu verlieren.“
„Aber nicht Auge um Auge!”
„Magdalene Ritter hat Erfahrung mit aggressiven Männern. Florian…, wenn es für Ihnen und Ihre Tochter wichtig ist…“, blickte Liam in die Richtung von Mila, die auf der Bank saß und auf der Fensterscheibe starrte. „Florian hatte noch nie mit einer Frau wie ihr zu tun gehabt. Es war nicht Ihr Mann, der das Drehbuch für diesen Vorfall geschrieben hat, eher ging er ohne Plan dorthin… nur mit des Vaters Wut… Und er hat sich in ihren Strategien verfangen. Aber er hat auch das Drehbuch angehalten, als er hat realisieren, wohin es führen hatte. Es ist wahrscheinlich auch nicht irrelevant für Sie und Ihre Tochter, oder?”
Lisa konnte es nicht mehr ertragen und unterbrach den Anwalt, „Bravo! – warum sagst du nicht einfach, dass Florian hier Magdalenas Opfer ist!“, rief sie an.
„Er ist ein Opfer durch die bloße Tatsache der Anklage.“
„Es war Florian, der Gewalt gegen Magdalena anwenden wollte, und sie hatte jedes Recht, sich in jeder Hinsicht gegen dieses grobe Lynchen zu verteidigen, auf das er zielte“
„Und sie hat es getan und erreicht, was sie wollte. Was sucht sie sonst noch vor Gericht?“
„Gerechtigkeit! Nur ein krankes Individuum wie du kannst das nicht verstehen!“
„Aber ich verstehe sehr gut, dass du versuchst, deine eigene Rechnung mit jemandem zu begleichen, der damit nichts zu tun hat“
„Wovon er redet, Lisa?“, fragt Karin.

Milas Leid

Zuerst schüttelte sie Ekel über Magdalenas bloße Vorschläge ab – sie hatte ihren Stolz. Sie würde keine Begleitdame sein! Außerdem wurde sie anders erzogen, und das Vertrauen, das ihre Eltern ihr entgegenbrachten, bevor sie in die große Metropole gingen, brachte sie in große Verlegenheit. Mila wurde jedoch nicht nur von Lisas altem Bekannten unter Druck gesetzt. Es gab auch Druck von der anderen Seite – einige ihrer Kollegen, die gerade aus fernen Provinzen gekommen waren, oder ausländische Studenten hatten einen ‘Sponsor‘ oder eine ‘Sponsorin‘. Als sie das erste Mal mit einem potenziellen Sponsor zu Abendessen, ging sie, nachdem ihr das ‘Angebot‘ unterbreitet worden war, aufs Klo, um den halben Champagner, den sie getrunken hatte, und die Garnelen, die sie gegessen hatte, zurückzugeben. Dann funktionierte einfache Neugier – wer sie waren, wie sie aussahen, was sie erwarteten. Magdalena wählte sorgfältig aus – keiner von ihnen war alt, hässlich oder ekelhaft. Alle waren gut ausgebildet, mit der Welt vertraut und natürlich auch finanziell etabliert: ein Arzt, ein leitender Angestellter in einem internationalen Unternehmen, ein Anwalt, ein IT-Spezialist, ein Geschäftsmann usw. Alter zwischen dreißig und vierzig. „Damit du auch etwas davon hast!”, lachte Magdalene zynisch, als sie ihr eine Angebotsliste machte.[…]