Männerabend, Adams Geburtsfeier

[…]Georg kam mit Gläsern und einer Flasche Whisky zurück. Er legte sie auf den Tisch. „Na und – ist das Karussell fertig?“

„Zeit für einen Test – wo ist die Steckdose?“, fragte Liam und nahm das Karussell vom Tisch. Florian zeigt auf die Wand hinter dem Fernseher. Liam steckte das Karussell in die Steckdose. Das Karussell leuchtete auf.

„Voilà! – du könntest es selbst an das Kinderbett befestigen.“

„Klar“, erwiderte Georg und nahm Liam das Karussell ab. Er schnippte mit dem Finger auf die blauen Delfine, die ein Geräusch machten. „Heute haben Adi und ich einen romantischen Abend.“

„Georg, das Glas schlägt Wurzeln“, rief Florians mit ungeduldiger Stimme an.

Georg legte das Spielzeug auf den Tisch, verschüttete den Alkohol in Gläser und verteilte es seinen Begleitern.

„Auf meinen Jungen!“

„Weißt du schon, was du für deinen Sohn willst?“

„Im Leben kann man entweder ein Spieler oder ein Zuschauer sein. Ich hoffe, mein Sohn wird die Rolle des Spielers wählen.“

„Möge er immer gegen bessere Spieler kämpfen als er – immer fair – und möge ihm niemals die Munition ausgehen!“, Liam hob sein Glas.

„Und möge der Wind ihn immer von der rechten Seite blasen!“, schloss sich Florian an.

„Amen!“, nickte Georg.

„Der erste Toast auf Adams Wohlstand und der zweite auf Adams Vaters Gesundheit!“, wirft Florian einen Blick auf Georg.

„Ein Toast auf meine Gesundheit, denn der Verstand kommt sowieso nicht mehr zurück, nicht wahr, Flori?“, reif Georg in einem leicht provokanten Ton zu seinem Bruder an.

„Du hast es gesagt.“

„Äh, dies ist eine Geburtsfeier, kein Leichenschmaus!“, sagte Liam in einem versöhnlichen Ton, „Egal wie oft auf den Knien, wichtig wie oft von den Knien!“

„Du hast leicht reden, denn kein Fräulein Huber hat dich ins Visier genommen“, erwiderte Georg.

„Man kann nie sicher sein“, sagte Florian

Georg hob die Augenbraue hoch und warf einen überraschten Blick auf Liam.

„Ich bin kugelsicher.“

Georg stieß ein hohles Lachen aus. „Wir hatten es auch gedacht, bevor unsere Särge in der Hubers Alp geschnitzt wurden – nimmst du das Beispiel der Gefallenen, damit deine nicht die Dritte ist.“

„Dann, sagt man sich, das ist das Leben“, zuckte Liam die Achseln.

„Und trinkt man immer noch“, beendete Florian und nahm einen Schluck Alkohol.

„Das Wichtigste ist, dass man kein Nagel, sondern der Hammer für diesen Sarg ist.“

„Du, Liam, würdest lieber auf die Frau zielen, als sie auf dich zielen lassen, oder?“, fragte Georg.

„Na sicher – und du nicht?“

„Einmal muss man aufhören, sich den Wahn zu machen – ein Jäger zu sein – und akzeptieren, die Rolle des ewigen Jagdwildes.“

„Oh, mein älterer Bruder hat endlich die Pubertät erreicht“, unterbrach Florian und schenkte sich eine weitere Portion ein.

„Vielleicht wäre das akzeptabel, wenn die Jagd nicht mit dem Enthäuten und Ausnehmen endet“, erwiderte Liam Georg und ignorierte Florians Spott.

„Schließlich ist es immer besser, von einer weisen Frau geangelt zu werden, als für sich selbst eine dumme und leere zu finden“, sagte Florian.

„Eine weise Frau ist ein Oxymoron“, sagte Liam nicht ohne nennenswerte Missachtung in seiner Stimme. Er trank seinen Whisky und fügte nach einer Weile hinzu. „Genau wie ein weiser Kerl. Der Mensch strebt nach Weisheit, aber er ist nie weise. Bestenfalls vertuscht er seine eigenen Fehler besser oder schlechter vertuschen.“

„Was suchst du wirklich bei einer Frau?“, fragte Georg plötzlich ernst.

„Nur eins – Ehrlichkeit! Es ist nur so, dass es am schwierigsten ist, in den sogenannten Anständigen zu finden.“

Florian wirbelte für einen Moment das Whiskyglas in seiner Hand herum und starrte düster auf seine goldene Farbe. Hätte er nicht seine eigene Hand für Karins Ehrlichkeit abgeschnitten, bevor er von dem Brief wusste? Er blickte seinen Bruder an und bemerkte, dass Georg auch seine positive Haltung verloren hatte. Auch er glaubte an Maries Ehrlichkeit, bis er neben ihm in der Zelle landete, als dieser Glaube fiel. Immerhin fiel es ihm schwer, sich mit Liams dekadentem Denken abzufinden, sagte er provokativ:

„Besser eine ehrliche Hure, oder, Liam?“

„Die Fakten werden nicht diskutiert.“ […

Mutter und Sohn oder Mohammeds Dilemmata

[…] „Ich werde endlich herausfinden, wer dieses Mädchen ist?“

Mutter & Sohn
„Mama!“

„Du willst deine Mutter betrügen?“

„Ich bin mit keinem Mädchen zusammen. Das ist Haram.“

„Aber es gibt ein.“

„Da gibt es. Sie hat rotbraunes Haar, grüne-braune Augen und viele Sommersprossen.“

„Und sie ist sehr hübsch.“

„Sehr, sehr.“

„Hat die Miss Sehr-sehr einen Namen?“

„Mila Leitner.“

„Leitner?“

„Mm. Sie ist die Tochter des Bruders des Chefs.“

„Du zielst hoch.“

„Sie wohnt aber nicht im Gasthaus, sondern weiter oben auf der Alm bei ihrem Großvater und ihrer Mutter. Sie besucht den Leitnerhof nur gelegentlich und nimmt mich überhaupt nicht wahr.“

„Und damit sie dich bemerkt, hast du beschlossen …“

„Mir Arme und Beine zu brechen.“

„Bevor du dir beim Tanz die Knochen brichst, versuche, sie kennenzulernen und zu entscheiden, ob es sich lohnt. Lade sie irgendwo ein. Vielleicht ein Kino?“

„Aber welcher Film, damit es sich nicht wieder als Haram herausstellt?“

„Ein Film, zu dem du deine Schwestern einladen würdest. Aber auch ein, der etwas über dich selbst sagt. Mila wird ihn aus zwei Blickwinkeln beobachten. Was willst du ihr über dich erzählen und wie siehst du sie.“

„Ich werde ihn für den nächsten Ramadan wählen!“

„Aber du wirst es irgendwann finden.“

„Nächste Woche wird es im Allgäu eine Pantomime geben.“

„Versuch es.“

„Vielleicht findet sie es keine gute Unterhaltung für die Frau eines Bauers?“

„Mila ist Bauers Enkelin, wie ich richtig verstanden habe“, sagte Yasmin mit dem richtigen Gesicht. „Nur, weil du andere Interessen hast, heißt das nicht, dass du dich nicht als jemand erweisen können, der es wert ist für sie, getroffen zu werden.“

„Mama, sie ist keine Muslimin.“

„Ich nehme an, dass sie es nicht ist. Allerdings wird nicht jeder, der als Muslim stirbt, als solcher geboren.“

„Mila wird niemals Muslimin.“

„Es ist genug, dass sie Christin ist. Immerhin ist das Wort „nie“ gut für die Zweifler. Und mein Sohn wurde nicht zu Zweifler erzogen.“

„Zeitgenössischer Tanz und Gesang sind ihre Leidenschaft. Und das ist Haram nach dem Koran. Das falsche Mädchen mit den falschen Interessen. Ein Muslim hat einem Mädchen, das sich für diese Art von Kunst interessiert, nicht viel zu bieten. Ein hoffnungsloser Fall.“

„Wenn sie hoffnungslos wäre, hättest du heute keines Muskelkaters.“

„Ich bin verrückt.“

„Du hast dich einfach verliebt.“

„Was soll ich jetzt damit tun?“

„Überwinde die Hindernisse. Dein Vater war auch kein Muslim, als ich habe ihn getroffen. Als ich bin vor 20 Jahren nach Deutschland gekommen, haben mich deine Großeltern nicht akzeptiert, und deine Tanten haben mich zunächst aus Mitleid geduldet. Ich war ein einsamer und nutzloser Fremder. Dein Vater hat nur so viel wie nötig mit mir gesprochen, weil er angenommen hatte, dass jedes Gespräch, das über das Notwendige hinausging, für mich unangemessen wäre.“

„Sogar über das Wetter?“

„Auch nicht. Also wusste ich nicht, was er wirklich über mich dachte. Von den drei seiner Schwestern hat nur deine Tante Christina ziemlich viel Englisch gesprochen, und als sie hat uns zweimal pro Woche besucht, war dies das einzige Mal, dass ich mit jemandem sprechen konnte. Wie Lichter im Tunnel habe ich deine Brüder hierherkommen gewartet. Ich habe gedacht – sie haben ihre Mutter verloren, also werde ich auf sie aufpassen. Endlich wird mich hier jemand brauchen. Als sie haben aufgetaucht, wollte keiner von ihnen etwas mit mir zu tun haben. Also habe ich allein in der Wohnung oben gesessen und habe mich oft gefragt, warum dein Vater mich hierher mitgebracht hatte. Es war eine hoffnungslose Situation. Und nächstes Jahr wird es 20 Jahre her sein, dass ich mit deinem Vater verheiratet bin. Was heute unmöglich ist, wird morgen Realität.“ […]